Erfolgreiches erstes Halbjahr 2022 für die Schachfreunde Ochtendung geht von 0 auf 100

„Schach dem Virus“ lautete die Devise nun schon seit März 2020 und wie in vielen anderen Sportarten – jenseits des Profifußballs – war die Zeit seit dem auch für den Schachsport entbehrungsreich. Regelmäßige Turniere und Meisterschaften fielen kurzfristig aus oder wurden gar nicht erst geplant, Saisons wurden unter- und dann doch abgebrochen und manche Mitglieder und Aktive nutzten die Zeit fast schon zwangsläufig um sich Hobbys zuzuwenden, bei denen der persönliche Kontakt keine Notwendigkeit darstellt.

Wie viele Schachvereine hatten auch die Schachfreunde Ochtendung eine Zeit lang so etwas wie einen Onlinetrainingsbetrieb aufgebaut aber dem Spiel mit Maus und Monitor fehlt am Ende doch ein wenig das Gesellige, was dem Schachsport neben dem Leistungsgedanken weitere Attraktivität verleiht.

Nachdem uns im Winter 21/22 dann auch keine Räume mehr für unseren Spiel- und Trainingsbetrieb zur Verfügung standen, war der letzte schachliche Lichtblick noch die dritte Auflage der Deutschen Schach Online Liga (DSOL), welche im Februar für zwei unserer Mannschaften in der 8. Liga zu spielen blieb. Immerhin war unsere erste Mannschaft in der Vorsaison mit einem ungünstigen Unentschieden im Halbfinale kurz vor dem großen Ziel gescheitert.

Nun stehen die Sommerferien und damit eine Art Sommerpause an und der Rückblick auf die letzten Monate erfüllt uns alle mit Stolz und Staunen denn unser vereinseigenes Wir-Gefühl und die Freude am Schachspiel, die Motivation aller Mitglieder aber auch das breite Angebot an Veranstaltungen hat uns seit dieser tristen Zeit eine der wenn nicht die erfolgreichste Halbserie seit Bestehen des Vereins beschert.

Komplett ohne Niederlage gegen 7 Mannschaften wie den Hauptstadtclub SC Kreuzberg oder die eigentlich stärker gewerteten SK Kelheim aus dem tiefsten Bayern ging es souverän ins Viertelfinale der DSOL wo ein relativ ungefährdeter Sieg gegen den SV Schott Jena eingefahren werden konnte. Vor dem Halbfinale gegen den SV Lurup Hamburg gab es dann bei Großmeister Sebastian Siebrechts SchachDeutschlandTV noch ein Interview mit Aljoscha Böhm und Mannschaftsführer und Ersatzspieler Markus Höblich, bei dem wir uns dann auch mal medial auf nationaler Ebene präsentieren durften. Gegen die Hamburger kam es dann zum umgekehrten Ergebnis des Vorjahres – wieder Unentschieden – aber an den wichtigeren Brettern die Punkte eingefahren, was in diesem Modus das Finale bedeutete.

Wer so weit kommt, der will dann auch den Pott und so hatten die aufstrebenden und sympathischen Jungspieler des SC Agon Neumünster nach tollem Spiel mit 4:0 eine herbe Schlappe gegen Aljoscha, Niklas Roth, Patrick Bast und Nils Schuck zu verkraften. Der erste nationale Titel „Deutscher Meister Liga 8 DSOL 2022“ macht sich nun außerordentlich gut in unserem Trophäenschrank.

Nils Schuck war es auch, der auf der diesjährigen Rheinlandmeisterschaft in Nickenich von den 3 angetretenen Ochtendungern mit 3,5 Punkten aus 7 Partien einen sehr guten 35. Platz im Hauptturnier erreichen konnte. Niklas Roth (Platz 48, 3 Punkte) und Markus Höblich (Platz 56, 2,5 Punkte) hatten bedingt durch die lange Pause zwar etwas Brettrost im Getriebe, letztlich aber keinen Grund zu klagen.

Fachsimpeln vor dem Sturm (c) Schachfreunde Nickenich

Fast schon folgerichtig waren die drei in der unterbrochenen Vereinsmeisterschaft 3 der 4 Halbfinalisten und während Markus gegen Niklas bestehen konnte, erkämpfte Nils sich gegen den Titelverteidiger Armin Herhaus den Finaleinzug in gleich mehreren Schlachten, da die erste aber auch die zweite Turnierschachpartie fast schon Weltmeisterlich im Remis endeten. Die anschließende Schnellschachpartie brachte ebenfalls keinen Sieger, so dass Nils erst im darauffolgenden Rückkampf mit vertauschten Farben alles klar machen konnte. Das Finale war dann weniger knapp – hier setzte sich Nils dann letztlich sogar als Favorit durch und ist nun der mit 16 der mit Abstand jüngste Vereinsmeister der Vereinsgeschichte.

Zwischendurch bot sich für Aljoscha, Markus, Jannik Höblich und Niklas noch die Möglichkeit gegen Großmeister Siebrecht selbst ein paar Partien zu spielen, da dieser in diesem Jahr wieder mit seinem tollen Programm „Faszination Schach“ im Löhr Center Koblenz halt machte. Gleich an mehreren Tagen machten sich die Ochtendunger auf und nutzten die Gelegenheit mit dem sympathischen Team in den Austausch zu kommen und auch ein wenig Werbung für den eigenen Verein zu machen.

Niklas, Jannik, Aljoscha bei Faszination Schach 2022
Niklas, Jannik, Aljoscha bei Faszination Schach 2022
Aljoscha gegen GM Siebrecht
Aljoscha gegen GM Siebrecht

Etwas sportlicher wurde es dann wieder beim Rheinland Pfalz Open in Neuwied-Gladbach wo sich mit Aljoscha, Niklas, Jannik, Markus, Oliver Vollmer und Leo von Elmpt gleich 6 Spieler in den Wettbewerb stürzten. Für weniger eingeweihte sei gesagt, dass es selten mehr Gelegenheit gibt sich gegen hochklassige Spieler zu messen als auf solchen Turnieren. Bei teilweise tropischen Temperaturen in der Halle wurden speziell die Nachmittagsspiele dann aber auch zur körperlichen Herausforderung, wobei das natürlich immer auch für die Gegner galt. Die besten Gegner hielt das Los für Niklas bereit, so dass er am Ende zurecht auch die beste Platzierung aller Ochtendunger erreichen konnte. Diese konnte nur durch die Qualität der Gegner unterschieden werden, da alle das Kunststück fertig brachten am Ende 3 von 7 möglichen Punkten erreicht zu haben.

Niklas Roth RLP Open 2022
Niklas Roth RLP Open 2022

Die Ausnahme bildete Nachwuchsspieler Jannik mit nur einem Punkt, allerdings war er innerhalb von drei Wochen gleich bei drei Turnieren angetreten und konnte sich dort dann schlussendlich mehr auszeichnen. In seiner Altersklasse war bei den Bezirksjugendeinzelmeisterschaften im Blitz (Platz 3) wie auch im Turnierschach (Platz 2) am Ende ein Platz auf dem Treppchen ein toller Erfolg. Überhaupt war die Jugendabteilung dort so erfolgreich wie noch nie. Während Jannik der einzige Ochtendunger Blitzer war, waren mit ihm, Ben Dittmann, Ella Reuber, Lucas Schmitz, Lina Braun, Mika Maslar und Fynn Schneider gleich 7 der mehr als 30 Teilnehmer aus den eigenen Reihen angetreten.

Ella Reuber gegen Max Wohde BJEM 2022
Ella Reuber gegen Max Wohde BJEM 2022

Nach spannenden Partien und großem Kampf gingen dann ganze 3 Titel nach Ochtendung! Fynn Schneider ist U18m-Bezirkseinzelmeister 2022, Mika gewann den Titel in der U12 und mit Ella haben wir in der Reihe der Damen nach dem Weggang von Seriensiegerin Kathrin Bast endlich wieder eine Bezirkseinzelmeisterin U12 in unseren Reihen. Das Gesamtturnier gewann Saskia Olma von den Schachfreunden Nickenich. Lucas wurde dritter der U10, Ben erreichte in der U16 ebenfalls den dritten Platz, so dass von 15 Treppchenplätzen am Schluss 6 von unseren Spielern eingenommen wurden. Eine unglaublich gute Ausbeute und viele glückliche Gesichter bei der Preis- und Pokalverleihung bildeten den krönenden Abschluss eines Halbjahres dessen Ende so sicherlich keiner vorhersehen konnte.

Preise gab es auch BJEM 2022
Preise gab es auch BJEM 2022
Pokale dann etwas später :)
Pokale dann etwas später 🙂

Während der Lockdownphasen keine Mitglieder zu verlieren, sondern im Gegenteil sogar noch weitere zu gewinnen war für uns ein großes Glück, zeigt aber auch, dass eine entsprechende Vereinsarbeit und eine gute Stimmung im Verein viel bewirken kann. Mit 36 aktiven geht es nun in der kommende Mannschaftssaison des Schachbezirks Rhein Ahr Mosel mit fünf Mannschaften auf Titeljagd. Wir laden Interessierte, egal ob mit oder ohne Vorkenntnissen zu unseren Spiel- und Trainingsabenden nach Ochtendung ein. Erwachsene trainieren Mittwochs-, Kinder und Jugendliche weiter Freitagsabends.